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Judith Le Soldat plante Publikationen zu zwei verschiedenen Themen:

 

Aufbauend auf den Erkenntnissen zur speziellen Triebtheorie, die Judith Le Soldat in der THEORIE MENSCHLICHEN UNGLÜCKS (1994) vorgelegt hatte, formulierte sie als deren Weiterentwicklung eine neue Theorie der Homosexualität. Judith Le Soldat schrieb dazu: 

 

"Die Homosexualität hat eine Besonderheit an sich. Erst wenn man begreift, zu welchem äussersten psychischen Punkt das Thema hinführt, kann man die dadurch eröffneten Dimensionen ermessen, und zwar sowohl für das jeweils individuelle Problem als auch für die daraus hervorgehenden Folgerungen zur grundsätzlichen Auffassung des Seelenlebens.“

 

Zu diesem Projekt finden sich im Nachlass einerseits FRAGMENTE ZU EINER THEORIE DER HOMOSEXUALITÄT, sowie ein nahezu fertiges Buchprojekt, das auf den VORLESUNGEN ÜBER HOMOSEXUALITÄT basiert, die Judith Le Soldat im Wintersemester 2006/2007 auf Einladung des Kompetenzzentrums Gender Studies an der Universität Zürich hielt.

 

In der Ankündigung zur Vorlesung stand:

 

"In der wissenschaftlichen Landschaft der Gender Studies bezeichnet die Homosexualität einen Gebirgsgiganten, an dem sich das Konzept der sozialen und kulturellen Konstruktion von Geschlecht im Feld des menschlichen Trieblebens zu bewähren hat. Wie man sich zu diesem Koloss stellt, ob man ihn einzuebnen sucht oder wohlwollend idealisiert, seine Tücken aber unterschätzt, hat weitreichende, wenn auch nicht sofort erkennbare Konsequenzen für die Auffassung der Geschlechtertheorie.

Die vorliegende Veranstaltung vermittelt neuere psychoanalytische Forschungsergebnisse und stellt eine psychoanalytische Theorie vor, welche eine eigengesetzliche, normale Entwicklung zur Homosexualität postuliert.

Voraussetzung: Bereitschaft, sich auf die Prämissen psychoanalytischen Denkens einzulassen, welches von der prinzipiellen Unbewusstheit des relevanten seelischen Geschehens ausgeht.

 

Lernziel: Die Studierenden sollen in die Lage versetzt werden zu verstehen, wie aufgrund eines normalen innerseelischen Prozesses Homosexualität entsteht, sie sollen fähig werden, Heterosexualität und Homosexualität in ihrem komplexen Verhältnis zueinander aufzufassen."

 

Das zweite Thema, an dem Judith Le Soldat arbeitete, war eine neue psychoanalytische Borderline-Theorie. Sie plante dazu eine Publikation mit dem Titel DIE AMERIKANISCHE PARZE. BORDERLINE, MULTIPLE PERSÖNLICHKEIT. In einem Eintrag auf ihrer Website kündigte sie das Buch folgendermassen an:

 

„Nach der speziellen oedipalen Triebtheorie (1994) und der Studie über Homosexualität bildet die Untersuchung über die psychischen Symptome, welche gewöhnlich als Borderline und multiple Persönlichkeit zusammengefasst werden, den dritten und allgemeinen Teil der angestrebten Revision der Triebtheorie. Auf einem scheinbar abgelegenen Gebiet gelingen Einsichten, denen zufolge die klassische oedipale Entwicklung, aber auch der eigenständige Weg zur Homosexualität sich als Spezialfälle einer überraschenden, allgemeinen Gesetzmässigkeit erkennen lassen. Es wird ein neuer Ansatz zur Auffassung psychischer Prozesse vorgestellt.“

 

Obwohl sie diese Theorie gedanklich fertig ausgearbeitet hatte und in Supervisionen vermittelte, finden sich nach aktuellem Kenntnisstand dazu keine Aufzeichnungen im Nachlass.